Bewohner fordern Nachtzug-Verbot

| 4. Okt. 2010

Baden Durch das Meierhof- quartier sollten nachts keine Güterzüge fahren. Weil sie das trotzdem tun, wehren sich die Anwohner.

«Die Güterzüge sind extrem laut. Bei offenem Fenster hört sich das so an, als ob sie durch unser Schlafzimmer fahren würden», sagt Andreas Rudow. Sein Haus im Badener Meierhofquartier ist eines von vielen, das direkt neben den Gleisen steht. Seit Anfang Jahr kann er nicht mehr ruhig schlafen: «Nachts fahren etwa zwei bis drei Güterzüge an unserem Haus vorbei.»

Dabei sollten es auf der Bahnlinie Mellingen–Baden–Wettingen–Güterbahnhof Limmattal gar keine Nachtzüge geben, meint Rudow: «Die SBB haben uns gegenüber mehrfach betont, dass es keinen Bedarf für regelmässige Nachtzüge gibt und die Strecke deshalb zwischen 22 und 6 Uhr verkehrsfrei ist – abgesehen von Ausnahmen.»

Unterschriften gegen Nachtzüge

Eine Ausnahme gab es von Januar bis März dieses Jahres, als im Heitersbergtunnel nächtliche Unterhaltsarbeiten gemacht wurden. «Damit konnten wir leben, weil wir wussten, dass die Lärmphase vorübergeht», so Rudow. Auch hätten die SBB schriftlich informiert: «Sie haben sogar eine Hotline für die Bevölkerung eingerichtet.» Nur: Die Nachtzüge haben seither nicht mehr aufgehört. Informationen von den SBB gab es laut Rudow keine, und auch die Hotline war plötzlich nicht mehr besetzt. Erst auf Nachfrage der Stadt Baden und von Quartierbewohnern im Juni erklärten die SBB, dass dies ebenfalls Ausnahme-Nachtzüge seien. Grund: Wegen Bauarbeiten in Zürich müssten Züge umgeleitet werden, und das bis ins Jahr 2016. «Die SBB zeigten sich aber bemüht, alternative Strecken zu suchen, um unsere Bahnlinie zu entlasten», so Rudow. 3 Monate sind seither vergangen, und es hat sich immer noch nichts getan: «Das sind doch keine Ausnahme-Nachtzüge mehr.» Deshalb werden er und andere Anwohner Unterschriften im Quartier sammeln. Sie wollen damit erreichen, dass sich der Stadtrat bei den SBB für den Verzicht regelmässiger Nachtzüge durch das Quartier einsetzt: «Sie schmälern unsere Lebensqualität und gefährden die Quartierentwicklung», sagt Rudow.

Stadtrat gibt Schützenhilfe

Stadtrat Kurt Wiederkehr jedenfalls hat Verständnis für diese Forderung und verspricht, sich bei den SBB zu erkundigen. «Natürlich kann es sein, dass diese Strecke in Ausnahmefällen nachts befahren wird. Aber das darf kein Dauerzustand werden.»

Für die SBB ist dies aber laut Sprecher Roman Marti immer noch eine Ausnahmesituation, über welche sie die Gemeinden auf Anfrage informierte: «Wir verstossen gegen keine Lärmschutzverordnung. Die zwei Nachtzüge sind zudem Teil der sieben Güterzüge, die im Schnitt pro Wochentag über diese Strecke fahren. Dies liegt im Rahmen der prognostizierten und kommunizierten Zugzahlen.» Man aber habe Verständnis für den Unmut der Bevölkerung und prüfe Alternativen: «Aufgrund der hohen Netzauslastungen und betrieblichen Abhängigkeiten ist es jedoch schwierig und wir können noch keine Versprechungen machen.» Laut Marti könnte man den Transport momentan nur auf die Strasse verlegen: «Dies hätte aber mehrere Lastwagen-Fahrten zur Folge, deren Lärmemissionen noch mehr Menschen betreffen würden.»

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Kategorie: SBB